Die Geschichte hinter Tatzenstolz

oder

“Räumungsklage für Karl-Georg”

Mein Name ist Tanja Konietzni, geboren und aufgewachsen in Köln. Ein echt kölsches Mädchen halt. Mit „Tatzenstolz“, habe ich mir nicht nur einen Traum erfüllt, sondern mir mein Leben zurückerobert. Wie es dazu kommen konnte und auch musste, möchte ich euch in den nächsten Zeilen berichten.

Ich war 12 Jahre lang selbstständige Vorstandsassistentin und habe die Urlaubs- und Elternzeitvertretung in großen Konzernen übernommen. Ein lukratives Geschäft, denn Frauen bekommen nicht so selten Kinder und da freut man sich, wenn man jemanden auf die Position setzen kann, der eh kein Interesse an einer Festanstellung hat, sein Handwerk aber durchaus versteht. Und so war ich lange Zeit ein gut bezahltes Kindermädchen für die Konzernbosse dieser Welt.

 

Das Reisen war schon immer eine Leidenschaft von mir und besonders in die USA. Im Herbst 2017 ging es nach Los Angeles, wo eine meiner besten Freundinnen mit ihrer Familie lebt. Ich verbrachte wunderschöne Wochen – und dank des Air Berlin Debakels sogar noch ein paar mehr als geplant dort als ich gemeinsam mit meiner Freundin die Idee plante ganz in die USA zu ziehen. Das Leben hatte jedoch einen anderen Plan für mich bereitgelegt.

Zurück aus den USA.....

…….fühlte ich mich irgendwie nicht wohl. Also ging ich zu meiner Frauenärztin, zum Check-up.“Zyklus-JetLag“ so nennt man es wohl. Aber wo ich dann schon einmal in der Praxis war, wollte sie doch die Vorsorgeuntersuchungen in einem Rutsch mitmachen.

Die letzte hatte ich ja Mai gehabt. Da war alles tippi toppi. Umso überraschender war für mich dann die Nachricht, dass sie etwas fühlen konnte in meiner rechten Brust. Laut Ultraschall sah es aber nicht nach was „Schlimmen“ aus, so meine Ärztin. Ich hatte meine Mutter exakt 10 Jahre zuvor am Kampf gegen den Krebs verloren und etwas in mir drin wusste: Doch, da ist etwas was nicht gut für mich ist.

So war es dann auch. Zwei Wochen später hörte ich die Worte „Sie haben Brustkrebs! Hochaggressiv!“ Mein erster Gedanken ging an meinen Vater. Vor 10 Jahren musste er seine Frau beerdigen und jetzt, auch wieder kurz vor Weihnachten, muss ich ihm sagen, dass sein einziges Kind ebenfalls das große Los gezogen hat.
Scheisse!

Alles Klar!.....

…..Dann fangen wir jetzt mal an zu überleben! Denn eins stand für mich fest: Ich werde kein dahinvegetierender Zombie, der nur weil er Krebs hat, mit dem Leben aufhört! Und das teilte ich dann auch meinem Arzt mit. Ich werde weiterhin essen was ich will, Sport machen und mein Leben genießen auch oder gerade wegen Karl Georg. „Karl Georg?“ ja richtig, ich habe meinem Tumor den Namen Karl Georg verpasst! Ich weiß nicht warum gerade Karl Georg, aber für mich war klar, dieses Ding in meiner Brust ist ein reeller Gegner, der einen Namen brauchte, damit ich ihn gezielt angreifen kann.

Bei all dem Optimismus war mir aber auch sehr bewusst, dass ich Karl Georg auf gar keinen Fall unterschätzen durfte. Denn sein Ziel war klar: Töten, und zwar mich!

Mein Ziel war auch klar: Überleben! Und das ohne Karl Georg! Die Therapie sollte 9 Monate dauern und im Januar 2018 beginnen. 9 Monate, eine lange Zeit. Da brauche ich etwas, an dem ich festhalten kann. Wo ich weiß, dass es wichtig ist in 9 Monaten noch hier zu sein. Ohne Karl Georg, aber dafür mit einem langersehnten Wunsch der in Erfüllung geht!

Jahrelang.....

….. schon, war ich begeistert von Beaglen und hatte mir immer vorgenommen, irgendwann holst du dir auch einen. Aber mit dem Job den ich hatte? Unmöglich. Mit Karl Georg, wurde aus irgendwann, jetzt!

Ich suchte mir eine Züchterin. Im April fand ich eine und fuhr zu ihr. Ich legte die Karten auf den Tisch: Ich habe Brustkrebs, ich habe noch 6 lange Monate Therapie vor mir, aber wenn ich krebsfrei bin, möchte ich ein Beaglemädchen haben.

Ein paar Tage später bekam ich eine E-Mail mit den, für mich schönsten Worte in diesem Moment: Alles klar, du bekommst deinen Beagle. Ab dem Tag kämpfte ich nicht nur für mich. Ich kämpfte auch für diesen kleinen Hund den ich noch gar nicht kannte.

Ich hatte eine Glatze...

…die mir echt gut stand,  fast 20 Kilo zugenommen und bin jede Woche zur „Chemo-Cocktailstunde“ gegangen. Ich habe alles mit viel Witz und Optimismus betrachtet. Haare weg? So what? Ich bin noch da. 20 Kilo mehr? Fabelhaft! 20 Kilo mehr an denen Karl Georg vorbei muss. Haare und Aussehen rückten auf meiner Prioritätenliste ziemlich weit nach unten. Wichtig war nur, dass die Therapie Wirkung zeigte. Es ging dem Mistkerl an den Kragen.

Mit jeder Sitzung schrumpfte er. Mit jedem Tag wo ich lachte und Sport machte, wofür ich meinen armen Nachbarn im Sommer um 5 Uhr morgens aus dem Bett geschmissen habe (Vielen Dank nochmal dafür) und auf meinen kleinen Beagle zu fieberte, wurde Karl Georg schwächer. Denn alles was mir gut tat, schwächte ihn.

Ich lernte wunderbare, starke, großartige Frauen kennen

… die alle mit einem riesen Herz voller Optimismus gegen den Krebs kämpften. Jede unterstützte Jede, wo es nur ging. Hatte eine einen „Hänger“ wurde sie aufgebaut. Angst wurde versucht wegzulachen. Wir waren eine, leider viel zu große, Kampftruppe mutiger Frauen, die nur ein Ziel hatten: LEBEN!
Am 18.07.2018 wurden die letzten Überreste von Karl Georg operativ entfernt. Ich weiß noch, wie ich aus der Narkose wach geworden bin und über mein linkes Schlüsselbein getastet habe auf der Suche nach Fritz (meinem Port). Statt Fritz fand ich einen dicken Druckverband. Ein gutes Zeichen, aber noch keine Entwarnung.

Man teilte mir mit, dass ich innerhalb der nächsten 3 Tage Bescheid bekommen würde ob, ich den Kampf gewonnen habe oder nicht.

20.7.2018 Abendvisite!

Mein Arzt fing an mit einem Schwall von Wörtern und Erklärungen, um sich zu werfen. Ich hatte keine Ahnung wovon er da sprach, und musste ihm so unhöflich das auch war, ins Wort fallen: „bin ich krebsfrei?“ Denn diese Frage war es doch die ich beantwortet haben musste. Ich hatte ein Ziel, ich hatte einem kleinen Beagle im Bauch seiner Mama bereits ein Versprechen gegeben ihn zu mir zu holen. Wie, wo, was, warum, war mir doch in dem Moment ziemlich egal. „…ja. Frau Konietzni, Sie sind krebsfrei.“ 

Ich brach in Tränen aus und war der glücklichste Mensch der Welt. Gerade mal 3 Tage später, am 23.07.2018, erblickte eine kleine Beagle Hündin das Licht der Welt. Meine Stella! Mein Wunsch hatte sich erfüllt! Ich bin in 6 Monaten krebsfrei geworden und mir wurde mein kleiner Seelenhund geschenkt. Am 26.9.2018, nach insgesamt 9 Monaten Therapie, holte ich meinen Seelenhund nach Hause. Und mit ihr wurde auch der Grundstein für „Tatzenstolz“ gelegt.

Auf der Suche...

…nach einer Leine für die kleine Maus, musste ich feststellen, dass ich keinen 0815 Geschmack habe und auch keine 0815 Frau, mit einem 0815 Hund bin. Tja dann musst Du es eben selbst in die Hand nehmen. So habe ich für Stella meine erste Tauleine gefertigt, die ganz nach unserem Geschmack war. In der richtigen Länge, in den richtigen Farben mit dem richtigen Karabiner. Absolut einzigartig – so wie eben auch Stella einzigartig ist. Die Frage, ob ich in mein altes Jobleben zurückgehe? Absolutely not! Ich habe nicht 9 Monate um mein Leben gekämpft, um jetzt weiter zu machen wie zuvor. Meine Prioritäten hatten sich geändert. Ich hatte mich verändert.
Mit der Gründung von Tatzenstolz habe ich mich bewusst dafür entschieden das zu tun was mir Freude bereitet und zukünftig meine Träume zu leben und nicht für die von einem Konzernchef. Denn wenn du einmal so kurz davor gewesen bis, gar nichts mehr tun zu können, dann überlegst du dir zweimal wie du deine Zeit auf dieser Welt verbringst.
Tatzenstolz, ist für mich eben nicht nur ein Laden, sondern das Geschenk eine zweite Chance für mein Leben bekommen zu haben. Ein Leben voller Freude, Leidenschaft und Stella. Am Ende muss ich wahrscheinlich Karl Georg dankbar sein, denn ohne ihn wäre ich jetzt wahrscheinlich immer noch ein gut bezahltes Kindermädchen.

Diese Geschichte ist lang,

 ja, aber sie ist nicht nur eine Geschichte, sie ist ein Zeichen dafür, dass es sich lohnt zu kämpfen.

Eine von acht Frauen wird im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Jährlich 1,5 Millionen neue Fälle – Brustkrebs ist die weltweit häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Bösartige Formen sind für 15 % aller weiblichen Krebstoten verantwortlich. Gehen Sie zur Vorsorge, Ultraschall und Mammographie. Tasten sie selbst regelmäßig, es kann ihr Leben retten!

Brustkrebsschleife rosa

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